Methodenkompetenz FIT
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(a) Benutzerorientierte Systemevaluation
Eingebettet in eine benutzerorientierte Entwicklungsmethodik sollte eine Evaluation von Prototypen oder Systemversionen auf folgenden Wegen erfolgen. Unter kontrollierten Bedingungen kann eine Analyse in einem Labor stattfinden, wo repräsentative Benutzer typische Aufgaben bearbeiten und dabei per Videokamera gefilmt werden, um einzelne Interaktionsepisoden auf Verständnis- und Handhabungsprobleme zu analysieren. Mit portablen Videokameras kann diese Vorgehensweise auch am Arbeitsplatz der Benutzer erfolgen, um die sozialen und physikalischen Umfeldbedingungen mit zu berücksichtigen. In beiden Fällen werden die Benutzer aufgefordert, ihr Verständnis und etwaige Probleme laut zu äußern, um für die Analyse eine größere Interpretationsbasis als die bloße Beobachtung zu erhalten.
Mit leitfadengestützten Expertenreviews können objektivierbare Merkmale der Systemgestaltung ermittelt und bewertet werden. Hierfür werden keine realen Benutzer benötigt. Eine solche Methodik kann auch schon in frühen Phasen der Entwicklung eingesetzt werden.

(b) Partizipative Designmethoden
Methoden des partizipativen Designs und des Usability-Engineering verringern die Kommunikationsbarriere zwischen Entwicklern und Nutzern und tragen dazu bei, das spezifische Wissen der Nutzer für Entwicklungs- und Einführungsprozesse von Software nutzbar zu machen. Dazu sind häufig speziell eingerichtete Räumlichkeiten erforderlich. Das FhG-FIT hat diesbezüglich insbesondere die folgenden Methoden entwickelt bzw. weiterentwickelt: Nutzeradvokaten, kooperative Workshops, integrierte Organisations- und Technikentwicklung. Darüber hinaus finden sich insbesondere in der skandinavischen und angelsächsischen Forschungstradition eine Vielzahl von Methoden und Techniken, die die Entstehung von gemeinsamen Visionen und gegenseitigem Verständnis in Software-Entwicklungsprozessen fördern.

(c) Szenariomethoden und ihre Bezüge zu (semi-) formalen Methoden
Szenarien sind - häufig in natürlicher Sprache verfasste - Beschreibungen, in denen künftige Nutzungssituationen einer neuen Anwendung antizipiert werden. Sie dienen vor allem der Ermittlung der Anforderungen an Funktionalität und Benutzungsschnittstelle der neuen Anwendung. Szenarien können eine Vielzahl von Rollen in benutzungsorientierten Entwicklungsprozessen spielen. Dabei ist insbesondere an die folgenden Einsatzmöglichkeiten zu denken:
  • die Nutzung von Szenarien zur Erhöhung der Partizipation in kooperativen SE-Prozessen,
  • die Abbildung von Szenarien auf (semi-)formale Spezifikationen und Designentscheidungen,
  • die systematische Gestaltung von Ausnahme-/Fehlerszenarien und die Ableitung von Testfällen daraus (hier besteht eine große Chance, Defizite von Referenzmodellen etwa bei Standsoftware auszugleichen),
  • die Nutzung von Szenarien zur Förderung der Nachvollziehbarkeit und zur Dokumentation.
(d) Nachvollziehbarkeit von Entwicklungsprozessen
Die Entwicklung vieler Systeme ist durch zahlreiche Nutzergruppen, sonstige Interessenten und technische Rahmenbedingungen gekennzeichnet. Die Nachvollziehbarkeit von Entwicklungsprozessen trägt wesentlich zur Güte der Softwareprodukte bei. Dabei sind insbesondere die folgenden Aspekte der Nachvollziehbarkeit von Relevanz:
  • die kurzfristige "Awareness" innerhalb eines Arbeitsteams über das, was andere Team-Mitglieder gerade machen;
  • die Archivierung und langfristige Rückgriffsmöglichkeit auf umfangreiche Nachvollziehbarkeitsdaten für die o.g. Zwecke.
 
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