Die vorher beschriebenen Modelle und die Interpretationssitzungen sind die Grundlage für weitere Verfahren. Mit diesen Verfahren soll sich den neuen Designideen weiter genähert werden. Sie finden innerhalb eines Konsolidierungsprozesses statt, in dem das Design-Team die Informationen der Arbeitsmodelle zusammenbringt, ohne dabei die individuellen Sichtweisen der Beteiligten zu verlieren. Gleichzeitig werden gemeinsame Muster und Strukturen herausgearbeitet.
Affinitätsdiagramme
Für ein Affinitätsdiagramm werden einzelne, für den weitergehenden Designprozess wesentliche Punkte, die sich in den Interpretationssitzungen ergeben haben, gesammelt. Hierbei soll der Bereich deutlich werden, in dem die Probleme des Kunden liegen, also alle problematischen Sachverhalte, Befürchtungen und Schlüsselelemente der Arbeitspraxis bezogen auf den jeweiligen Fokus des Design-Teams.
Dabei wird jeweils ein Punkt auf einem Zettel vermerkt und dann zur Erstellung des Affinitätsdiagramms beispielsweise an einem großen Flip-Chart angebracht. Die Punkte werden einerseits nach ihrer Wichtigkeit und andererseits nach ihrer Ähnlichkeit untereinander angeordnet: je wichtiger der Punkt ist, an umso höherer Stelle wird er angebracht; je ähnlicher Punkte sind, umso näher beieinander werden sie angebracht.
So lassen sich Ansatzpunkte für den Designprozess herausarbeiten und darauf basierend erste Prototypen oder Mock-ups erstellen, die dann wieder in Prototypen-Interviews von den Kunden getestet werden können.
Benutzer-Umgebungs-Diagramme
Das Benutzer-Umgebungs-Diagramm (User Environment Diagram) ist der Grundriss des neuen Systems, basierend auf den erhobenen Daten und den daraus resultierenden Anforderungen. Es zeigt genau, wie und wo die Kunden in ihrem Arbeitsablauf unterstützt werden.
Diese Diagramme sind workflow-orientiert und implementierungsnah im Sinne objektorientierter Implementierung.
Ablaufpläne
Im Laufe des Prozesses von Contextual Design entsteht eine einheitliche Vision bzw. Designidee. Entsprechend dieser Idee und entsprechend den Erkenntnissen aus den Interviews werden erneuerte Arbeitsabläufe vorgeschlagen. Die neuen Arbeitsabläufe werden mittels Ablaufplänen (Storyboards) dargestellt. Sie sind informell, gekritzelte Zeichnungen, die mit Stichworten versehen sind. Was sie darstellen, entspricht etwa dem Sequenzmodell, das die ursprünglich vorgefundenen Arbeitsschritte abbildet.
Prototypen-Interviews
Prototypen-Interviews dienen dazu, Feedback seitens der Kunden zu einem Prototypen einzuholen. Dem Vorgehen nach ähneln sie dem Contextual Interview, nur das hier mit dem zu diesem Zweck gebauten Prototypen Arbeitsabläufe "durchgespielt" werden. Zur Konstruktion dieser Prototypen dient beispielsweise eine relativ simple Software-Anwendung. Damit sollen wesentliche Funktionalitäten und damit Anforderungen der späteren Software abgebildet und getestet werden.