Im ISO-Standard 9126-1 wird ein Rahmenwerk für den Qualitätsbegriff innerhalb des Lebenszyklus einer Software skizziert. Es werden vier aufeinander aufbauende Qualitätsbegriffe formuliert, die den drei Bereichen „Prozess“, „Produkt“ und „Auswirkungen der Nutzung des Produkts“ zugeordnet werden.
Qualitätsbegriffe und deren kausaler Zusammenhang
(entnommen: ISO9126-1)
Begriffe und Definitionen aus „ISO/IEC 9126-1:2001 Software-Engineering – Product Quality“, Fig. 2 werden mit Erlaubnis der International Organization for Standardization (ISO) wiedergegeben. Dieses Dokument kann von jedem ISO Mitglied oder von der Web-Seite der ISO (www.iso.org) bezogen werden. Das Copyright verbleibt bei ISO.
Software-Produkte entstehen infolge des geordneten gemeinschaftlichen Zusammenwirkens von Personen in einer Organisation. Eine Verbesserung der Abläufe zur Erstellung einer Software zieht letztlich eine bessere Produktqualität nach sich. Die Prozessqualität ist Ausdruck der Güte der Abläufe unter dieser Hinsicht.
Die Software-Produktqualität wird unter zwei Gesichtspunkten gesehen. Die externe Qualität bezeichnet die Sichtweise des generellen Endbenutzers auf ein Endprodukt. Sie ist Ausdruck dafür, in wie weit ein Produkt in der Lage ist, explizite und implizite Anforderungen des Nutzers zu erfüllen. Kriterien umfassen beispielsweise die Benutzbarkeit des Produkts, in wie weit es konsistent zu anderen Produkten ist oder ob es selbsterklärend ist. ISO/IEC 9126-2 enthält Beispiele für externe Maße.
Die interne Qualität bezeichnet die Sichtweise eines Software-Entwicklers auf das Produkt, der typischerweise an Zielen wie guter Wartbarkeit, leichte Portierbarkeit und hohe Effizienz interessiert ist. ISO/IEC 9126-3 enthält Beispiele für interne Maße.
Der Standard definiert einen weiteren Begriff: Nutzungsqualität (englisch: quality in use). Dieser reflektiert die Sicht eines Nutzers auf Software in einer bestimmten Umgebung und beurteilt das Produkt hinsichtlich der Fähigkeit, den Nutzer bei der Lösung seiner Aufgaben zu unterstützen. Der Unterschied zur externen Qualität besteht darin, dass auf einen bestimmten Nutzungskontext mit ganz spezifischen Aufgabenstellungen Bezug genommen wird. Beispiele für Nutzungsmaße werden in ISO 9126-4 gegeben.
Für jeden der beschriebenen Qualitätsbegriffe ist es möglich, Operationalisierungen abzuleiten, mit deren Hilfe die mit dem Begriff verbundenen Ziele verfolgt werden können. Üblicherweise werden dazu entsprechende Maße identifiziert, welche Merkmale quantifizieren, die wiederum die in Frage stehenden Qualitätseigenschaften beschreiben. Für die interne Qualität von Software-Produkten wird dies in diesem Thema umfangreich dargestellt.
Zwischen diesen Qualitätsbegriffen besteht ein kausaler Zusammenhang: In Vorwärtsrichtung beeinflusst die Prozessqualität zunächst die interne Produktqualität, indem z.B. durch entsprechend geplante Maßnahmen die Konsistenz der von verschiedenen Entwicklern abgelieferten Teilprodukte geprüft und sichergestellt werden kann. Dies wirkt sich auf die externe Produktqualität aus, weil z.B. die leichte Umsetzbarkeit neuer Anforderungen dazu führt, dass die Implementierung mit weniger Fehlern erfolgt. Am Ende der Kette wird schließlich auch die Nutzungsqualität erhöht, weil etwa eine bestimmte Anforderung an die Funktionalität des Produkts für den Nutzer schneller verfügbar ist.