Das Ziel einer Software-Produktanalyse leitet sich aus den wirtschaftlichen Erfordernissen einer Organisation ab. Grundsätzlich kann sich eine Organisation in einer von zwei Positionen befinden:
Die Organisation befindet sich in Rolle eines Anbieters und Herstellers eines Software-Produkts. Ihre Hauptaufgabe liegt in der Erstellung von Software. Gemäß den wirtschaftlichen Randbedingungen ist eines der obersten Ziele, Software mit hoher Qualität zu produzieren. Damit dies nicht nur ein implizites Wunschbekenntnis bleibt, muss die Qualität der eigenen Produkte bestimmt und überwacht werden.
Die Organisation befindet sich in der Rolle des Nachfragers eines Software-Produkts, das durch eine andere Organisation erstellt wurde. Gegebenenfalls stehen mehrere Produkte verschiedener Hersteller zur Auswahl, welche alle die funktionellen Anforderungen erfüllen. Akquirierungskriterium ist deshalb die Qualität der einzelnen Produkte. Diese muss systematisch und in objektiver Weise ausgerichtet an den Anforderungen der Organisation ermittelt werden.
Entsprechend diesen beiden Positionen lassen sich vielfältige Szenarien benennen, bei denen die metrikbasierte Qualitätsanalyse unterstützend eingesetzt werden kann.
Entscheidungsunterstützung. Das allgemeingültige Ziel einer metrikbasierte Qualitätsanalyse liegt im Bereich der Unterstützung von Entscheidungen, welche die Erstellung oder Akquirierung eines Software-Produkts betreffen. Anhand der nachgeprüften Qualität kann entschieden werden, ob ein Produkt veröffentlicht, akzeptiert, überarbeitet oder abgelehnt wird.
Beurteilung der Produktqualität. In der Rolle des Nachfragers prüft eine Organisation die Qualität eines zur Beschaffung ausstehenden Produkts. Relevante Qualitätsmerkmale eines individuellen Qualitätsmodells werden auf hinreichende Ausprägung untersucht. In diesem Sinn können Produkte miteinander verglichen werden. Bereits im Einsatz befindliche Produkte können ebenso auf ihren positiven oder negativen Einfluss auf die Organisation hin abgeklopft werden.
Vorbereitung von Refactoring-Maßnahmen. Die Analyse liefert nicht nur Hinweise auf Qualitätsdefizite, sondern ermöglicht im Folgeschritt die Ableitung konkreter Verbesserungsmaßnahmen. Die Restrukturierung des Produkts verbessert es zwar nicht aus funktionaler Sicht, steigert jedoch die Wartbarkeit, sodass sich für die zukünftige Wartungsphase Kosteneinsparungen ergeben.
Eigenüberwachung. Die Werkzeuge zur Produktanalyse stehen nicht nur dem Qualitätssicherer zur Verfügung, der ein Produkt oder Teilprodukt nach dessen Fertigstellung beurteilt, sondern werden gleichermaßen Entwicklern zur ständigen Eigenüberwachung in die Hand gegeben.
Förderung des Programmverstehens. Voraussetzung für die Bennung von Qualitätsdefiziten ist die Erarbeitung eines Verständnisses über die Strukturierung eines Software-Systems. Werkzeuge, welche die metrikbasierte Qualitätsanalyse unterstützen, bieten daher abstraktere Sichten auf ein System und umfassendere Navigationsmöglichkeiten als ein einfacher Quellcode-Editor. Solche Werkzeuge können also sehr nützlich für das Programmverstehen sein (beispielsweise bei der Integration neuer Mitarbeiter in ein bestehendes Projekt)
Trendanalyse. Maßnahmen der Produktanalyse können den Produktentwicklungsprozess begleiten. Zu verschiedenen Entwicklungsstadien eines Produkts werden Momentaufnahmen erstellt, um qualitative Trends zu erkennen und gegebenenfalls Gegenmaßnahmen zu ergreifen (siehe auch: Punktuelle Maße und Trendmaße).
Sensibilisierung für Qualität. Schließlich werden Entwickler allein durch die Existenz solcher Maßnahmen in einem qualitätssichernden Prozess für Fragen der Interne und externe Qualität sensibilisiert.