Die bei der Durchführung der JWAM-Fallstudie gewonnenen Erfahrungen lassen sich hinsichtlich des JWAM-Teams und der Messgruppe (die Bewerter) unterscheiden:
Erfahrungen für die Bewerter: Die JWAM-Fallstudie war die erste externe Validierung des Qualitätsanalyse-Prozesses und der benutzten Metriken. Sie bestätigte, dass der metrikbasierte Ansatz für effiziente und detaillierte Qualitätsbewertungen großer objektorientierter Software-Systeme geeignet ist. Aus der Fallstudie konnten wichtige Rückschlüsse gezogen werden im Hinblick auf:
Skalierbarkeit: Der von der Messgruppe entwickelte Bewertungsprozess führt zu ganz spezifischen Qualitätseindrücken und Umstrukturierungs-empfehlungen sowohl für mittlere als auch für große objektorientierte Software-Systeme. Ungeachtet der Systemkomplexität konnte sich die Messgruppe innerhalb kürzester Zeit (25 Stunden) einen Eindruck von der Software-Struktur verschaffen und sehr detaillierte Anomalien ausfindig machen.
Korrektheit: Die Eindrücke und Empfehlungen decken nur den technischen Gesichtspunkt des Software Engineering ab. Da das Entwicklungsteam mehr als 80 Prozent der Aussagen in beiden Durchläufen zustimmte, kann geschlussfolgert werden, dass Metriken eine effiziente und korrekte Qualitätsbewertung ermöglichen. Die Bewertungsgruppe besaß keine semantischen Informationen über das System, was bisweilen dazu führte, dass grundlegende Aussagen diskutiert wurden, obwohl sie bereits andererseits bekannt und akzeptiert oder vom Entwicklungsteam beabsichtigt waren. Um den Prozess insgesamt effizient zu halten, ist die Messgruppe nicht primär daran interessiert, die Anomalien des Software-Systems in den semantischen Kontext einzuordnen.
Kooperation: Um so viel interessante Informationen wie nur möglich aus der Qualitätsbewertung zu gewinnen, ist eine andauernde Kommunikation zwischen dem Entwicklungsteam und der Messgruppe notwendig. Um Aussagen zu vermeiden, die aus Sicht des Entwicklungsteams nicht zur internen Software-Qualität beitragen, ist es wichtig, Qualitätsmodelle zu definieren, die auf speziellen Qualitätskriterien beruhen und ebenso Teile des Systems auszuklammern, die für das Entwicklungsteam nicht interessant sind. Aus diesem Grund ist es für die Verbesserung der Effektivität des Bewertungsprozesses notwendig, für eine gute Kommunikation zwischen dem Entwicklungsteam und der Bewertungsgruppe zu sorgen.