Im Prinzip ist eine Bezugskonfiguration eine Konfiguration des Systems, die eine besondere Bedeutung für die einzelnen Konfigurationselemente, aber auch für das Gesamtsystem besitzt.
Betrachtet vom gesamten System aus, ist eine Bezugskonfiguration ein ausgewähltes, gesichertes und freigegebenes (Zwischen-) Ergebnis des Systems (vgl. Balzert2).
Betrachtet vom Konfigurationselement aus, ist eine Bezugskonfiguration die Konfiguration, in der ein bestimmter Stand des Elements eingebunden ist. Sollte es sich bei dem Konfigurationselement um Quellcode (also ein Artefakt) handeln, ist es möglich, dass dieser Code ausschließlich in dieser Bezugskonfiguration übersetzt und fehlerfrei ausgeführt werden kann.
Diese beiden Blickwinkel verdeutlichen den Nutzen einer Bezugskonfiguration. Während sie auf der einen Seite eine Konsolidierung der bisherigen Arbeit am System bewirkt und damit einen festen Zwischenstand liefert, ist sie für das einzelne Artefakt in der Entwicklung ein Bezugspunkt, bis zu welchem sich Änderungen am Artefakt zurückverfolgen lassen.
Bezugskonfigurationen werden zu bestimmten Zeitpunkten im Projekt, zumeist nach Erfüllung eines Meilensteins, angelegt.
Neben den enthaltenen Artefakten inklusive ihrer Dokumentation müssen in einer Bezugskonfiguration auch die verwendeten Werkzeuge mit ihren Versionen vermerkt werden. Dies betrifft zudem sämtliche Einstellungen/Optionen der Werkzeuge, die zur Generierung des Produkts notwendig sind (vgl. Buildmanagement).
Ein anderes Verständnis von Bezugskonfigurationen hat das Vorgehensmodell CMII. Hier wird eine Bezugskonfiguration nicht als erreichter Stand aufgefasst, sondern als zu erreichender Stand. Diese wird auch als "as-planned" bezeichnet. In CMII werden somit Bezugskonfigurationen (Baselines) für die Zukunft geplant, die dann als Releases ausgeliefert werden.
Erreichte Ergebnisse werden in CMII auch als Bezugskonfigurationen bezeichnet, allerdings mit dem Vermerk "as-built".
Tritt der Fall ein, dass ein Änderungswunsch in die aktuelle Bezugskonfiguration eingearbeitet werden soll, so wird eine neue Bezugskonfiguration definiert, auf die dann die weitere Fortentwicklung zielt.