Capsule Diagramme dienen der Darstellung der Komponenten (Capsules) und der logischen Kommunikationsbeziehungen im zu entwickelnden System.
Das Capsule Diagramm in der ersten Abbildung beschreibt die Architektur des als Anwendungsbeispiel betrachteten Produktionssystems. Das zu entwickelnde System wird in die beiden Komponenten Roboter und Förderband zerlegt. Jede dieser Komponenten besitzt mehrere Ports, die Kommunikationsschnittstellen mit der Umgebung definieren. Einem Port wird im Capsule Diagramm eine (von zumeist zweien) durch ein Protokoll definierte Rolle zugewiesen. Protokolle spezifizieren eine Schnittstelle für die Kommunikation.
Das Verhalten einer Capsule wird mit einer Variante von Statecharts spezifiziert, die im Wissensbaustein Verhalten: UML-RT Statecharts besprochen wird. Konnektoren zwischen den Ports beschreiben die „logischen“ Kommunikationsbeziehungen. Diese werden normalerweise direkt in Kommunikationsbeziehungen der Implementierung umgesetzt, können aber auch durch Kommunikation über Dritte oder Busse realisiert werden.
Komponenten können hierarchisch aufgebaut werden: Jede Komponente kann ihrerseits in einem Capsule Diagramm in weitere Komponenten gegliedert sein. Eine hierarchisch zerlegte Komponente kann eine nach außen angebotene Schnittstelle entweder selbst bedienen oder die Bearbeitung an eine Sub-Komponente delegieren. Im ersten Fall wird ein End-Port mit dem Statechart der Komponente verknüpft. Im zweiten Fall wird ein Relay-Port mit Ports der Sub-Komponente verbunden. Diese hierarchische Zerlegung erlaubt eine beliebige tiefe Schachtelung von Komponenten.
Die zweite Abbildung zeigt den Aufbau der Roboter-Komponente. Dabei wird ein Entwurfsmuster genutzt, das die Steuerung des Betriebsablaufs von der Steuerung der einzelnen Mechanikkomponenten trennt. Die Ablaufsteuerung bedient sich zur Planung des Montageablaufs der Montageanleitung. Der Port der Ablaufsteuerung zur Montageanleitung ist mit der Multiplizität 0-1 versehen, da die verbundene Komponente erst bei Bedarf erzeugt wird.
Sowohl der Roboter als auch die Ablaufsteuerung in der zweiten Abbildung sind Subklassen einer Oberklasse Automatisierungskomponente. Solche Spezialisierungsbeziehungen werden nicht in Capsule-Diagrammen sondern wie gewohnt in Klassendiagrammen ausgedrückt. Die Oberklasse definiert allgemeine Mechanismen für Wartung und Betrieb von Automatisierungskomponenten. Dieses Entwurfsmuster stellt sicher, dass die spezialisierte Funktionalität jeder Komponente gekapselt wird und nicht durch nachträgliche Integration von Mechanismen für die Wartung ihre klaren Schnittstellen verliert.
Im folgenden wird daher bei der Entwicklung der Protokolle und Statecharts des Systems die spezialisierte Funktionalität der Komponenten in die Wartungs-Mechanismen eingebettet.