Bei der Erstellung, dem Betrieb und der Wartung von Softwaresystemen sind viele Personen (Stakeholder) mit unterschiedlichen Interessen, Spezialisierungen und Aufgabenstellungen bzw. Rollen beteiligt. Die Aufzählung stellt einige typische Stakeholder mit ihrem Interesse an der Architektur dar:
Fachabteilung und Management: grobe fachliche Strukturierung des Systems
Planung und Entwicklung: Aufteilung des Systems in implementierbare Komponenten und Verteilung der Implementierungsteile auf Mitarbeiter
Betrieb: Verteilung des Systems auf Rechner, Redundante Systemteile, Lastbalancierung, etc.
Ein einzelnes Diagramm kann kaum die Architektur eines Systems darstellen. Grundlegend verschiedene Darstellungen sind erforderlich, die den jeweiligen Interessen und Kenntnissen der Stakeholder gerecht werden.
Mitte der 1990er Jahre wurden Sichtenkonzepte entwickelt. Idee der Sichtenkonzepte ist es, das System aus verschiedenen Perspektiven zu beachten und für jeden Stakeholder geeignete Informationen bereit zu stellen.
Die Idee wird in den Ingenieurwissenschaften und der Gebäudearchitektur seit vielen Jahrzehnten erfolgreich betrieben. Die Architektur eines Einfamilienhauses wird beispielsweise dokumentiert über
Vorderansicht, Seitenansicht, ggf. Draufsicht
Raumplan für jedes Stockwerk
Spezielle Ansichten z.B. für Elektriker mit den zu verlegenden Stromkabeln und Steckdosen, für Installateure mit den zu verlegenden Wasserleitungen, Stücklisten und Arbeitspakete für den Bauherren, Mathematische Modelle für den Statiker usw.
Diese Idee wurde in die Informatik übertragen. Mehrere Autoren haben Vorschläge für derartige Sichten gemacht. Bekannte Vorschläge sind das 4+1 Sichtenmodell nach Kruchten, dieses ist Bestandteil des Rational Unified Process oder das 4-Sichtenmodell nach Hofmeister et al., es ist auch bekannt als Siemens-Sichten.
Die Begriffe im Umfeld der Softwarearchitektur-Dokumentation und deren Zusammenspiel werden in der ANSI-Norm IEEE 1471 definiert.