In Unternehmen und Behörden wird eine Vielzahl unterschiedlicher IT-Systeme betrieben. Diese sind zum Teil über Jahrzehnte gewachsen und sind den sich ständig ändernden Bedürfnissen angepasst worden. Die daraus resultierende wachsende Komplexität der Systeme macht deren Weiterentwicklung zu einer immer größeren Herausforderung. Eine Ablösung der Systeme kommt oft nicht in Frage, da die Kosten und Risiken zumeist nur schlecht abschätzbar sind. Service-orientierte Architekturen (SOA) versprechen hier eine Lösung, die es erlaubt, gewachsene Systeme zu modernisieren und sie in neu wachsende Infrastrukturen zu integrieren. Hierbei kommen verstärkt standardisierte Technologien zu Einsatz, wie http, SOAP oder auch Web Services.
Service-orientierte Architekturen – ein Begriff, der seit demWeb Services Hype der letzten Jahre immer wieder aufgegriffen wird; meistens in Verbindung mit Enterprise Application Integration (EAI) und Enterprise Service Bus (ESB). Es scheint so, als handle es sich um eine Art allgemeingültigen Begriff, der sowohl von Softwaretechnikern als auch von Hardware- und Prozessspezialisten gebraucht wird. Viele IT-Bereiche können sich mit Services und Service-orientierten Architekturen identifizieren. Jedoch wirft dies die Frage auf: Unterhalten wir uns alle über das Gleiche?
Diese Frage müsste intuitiv mit Nein beantwortet werden, da in der Regel jede Sparte der IT-Landschaft eigene Probleme hat (z. B. Heterogenität, Vernetzung, schneller Wandel, Kostendruck etc.) und auch eigene Ziele verfolgt (z. B. Effizienzsteigerung, Time-to-market), die nicht immer mit denen anderer Abteilungen im Einklang stehen müssen. Es hat also den Anschein, dass Service-orientierte Architekturen hier eine Art Vereinheitlichung bringen, mit dem Anspruch, dass übergeordnete Instanzen eine einheitliche Sichtweise auf IT-Landschaften erhalten. In der Wirklichkeit sieht das meistens anders aus, da hier Themen wie Wartbarkeit oder der Betrieb eines IT-Systems allgemein einen wesentlich höheren Stellenwert einnehmen – anerkannt ist hier zum Beispiel die 80/20 Regel für Betrieb und Entwicklung. Viele Aussagen verschiedener Hersteller und Anbieter zu Service-orientierten Architekturen zielen jedoch auf die Neuentwicklung (sei es total oder partiell) oder die Ablösung etablierter Systeme.
Diesem Unterschied zwischen Anspruch und Wirklichkeit war der Workshop „Service- orientierte Architekturen” gewidmet, in dem Referenten aus Industrie und Forschung sich zum Thema SOA positionierten, Erfahrungen aus Praxisprojekten austauschten und kritisch hinterfragten. Der unten verfügbare Tagungsband fasst die Inhalte, Themen und Vorträge des Workshops zusammen.